Abfall : Abfall-Robin-Hood legt sich mit dem ART an
Karl/Trier Ein liegen gebliebener Sperrmüllhaufen vor dem Haus eines 82-Jährigen sorgt im kleinen Eifelort Karl für Wallung. Sein engagierter Nachbar kann das nicht mit ansehen und geht gegen den Zweckverband vor.
Da trägt man unter großer Anstrengung seinen Sperrmüll vor die Tür und was passiert? Er wird nicht abgeholt. Wochenlang musste der 82-jährige Herr Vollberg im kleinen Eifeldorf Karl auf die Abholung seines Sperrmüllhaufens warten. Nachdem dieser an seinem ursprünglichen Abholtermin, wie der Betroffene schildert, nicht mitgenommen worden sein soll, bekam der 82-Jährige vom Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) einen Ersatztermin genannt. Diese Abholung datierte allerdings erst zwei Monate später. Das brachte seinen Nachbar Rainer Schäfer, der vielen TV-Lesern aus zahlreicher Berichterstattung auch als Abfall-Robin-Hood bekannt ist, auf die Palme. Schäfer reichte beim ART Beschwerde ein.
Müllproblem Doch warum wurde der Sperrmüll nicht abgeholt? „Die Müllmänner versuchen es gar nicht erst. Sie fahren einfach an meinem Sperrmüllhaufen vorbei“, erklärt der 82-Jährige. „Abfall-Robin-Hood“ meint dazu: „Die Straße erfüllt allerdings die gesetzliche Mindestbreite von 3,10 Meter. Auch gibt es eine Wendemöglichkeit für das Transportfahrzeug, so dass die Gasse wie vorgeschrieben befahrbar ist.“ Trotzdem habe der Müllwagen die Hofgasse nicht befahren. Doch den Müll bis zum Eingang der Straße zu tragen, sagt Schäfer, das sei für den 82-Jährigen keine Option. Sein 82-jähriger Nachbar ergänzt: „Außerdem ist es dort zu eng und man würde den Gehweg für die Fußgänger blockieren. Die müssten ja dann auf die Straße ausweichen.“
Vom ART, sagt der „Abfall-Robin-Hood“, habe er widersprüchliche Aussagen zu diesem Abholproblem erhalten: „Mir wurde gesagt, dass der Fahrer noch neu wäre und den Führerschein erst gemacht habe. Er soll sich mit dem Fahrzeug nicht in die enge Gasse getraut haben. Später hieß es dann vom ART, dass stets ein erfahrener Fahrzeugführer den Wagen steuere. Das passt ja nicht wirklich zusammen.“
An der Telefonhotline des Zweckverbands, darüber regt sich „Müll-Robin-Hood“ auch auf, bekomme man nur unzuverlässige Aussagen „von Menschen, die in einem Callcenter-Subunternehmen arbeiten und selber keine Ahnung haben“, meint Schäfer. Man sehe ja schon an den Bewertungen im Internet beim Suchmaschinenanbieter Google wie unzufrieden die Leute in der Region mit ihrem Entsorger, dem ART, derzeit seien. Der ART kommt dort, wie jeder sehen kann, auf 1,6 von fünf möglichen Punkten. Laut „Abfall-Robin-Hood“ habe das schon mal ganz anders ausgesehen. Abfuhrprobleme seien kein Einzelfall.
Generell sei die Sperrmüllabfuhr für ältere Leute schwierig: „Es kann den älteren Bürgern nicht zugemutet werden, den Sperrmüll bis zu 100 Meter weit zu tragen. Da werden sie vom ART allein gelassen“, stellt Schäfer fest.
In der Hofgasse in Karl habe die Vergangenheit dagegen schon gezeigt, dass die Abholung nicht unmöglich sei. „Erst im März wurde der Sperrmüll schon mal in der Gasse abgeholt, allerdings auch erst nach einigem Hin und Her.“
Am vergangenen Dienstag hatte Schäfer selber einen Termin für den eigenen Sperrmüll. Dann sollte auch der Müllhaufen des 82-Jährigen mitgenommen werden. Schäfer: „Wenn das bis Dienstag nicht abgeholt wird, werde ich damit zum Verwaltungsgericht gehen.“ Aber so weit kam es dann doch nicht.
Abholung Der Sperrmüll wurde nun unter einem Kompromiss in der Hofgasse abgeholt. „Dem Fahrer sei der Wendehammer in der Straße nicht groß genug gewesen und er wollte daher nicht komplett in die Gasse reinfahren“, erzählt Schäfer. Da sein Nachbar Vollberg noch am Anfang der schmalen Straße wohne, sei der Fahrer nun rückwärts bis in den Hof des 82-Jährigen gefahren. „Abfall-Robin-Hood“ Schäfer habe dann mit Hilfe seines Nachbarn und der Müllmänner seinen Sperrmüll zur Sammelstelle bei Vollberg getragen. So solle das auch in Zukunft gehandhabt werden, sagt der „Müll-Robin-Hood“ – eine Lösung mit der alle leben können. „Die anderen Bewohner der Straße sollen jetzt den Sperrmüll also zukünftig auch bei Vollberg aufstellen.“ Um den älteren Nachbarn beim Tragen zu helfen und damit sich die Müllarbeiter nicht immer so tief bücken müssen, werde er einen Leiterwagen zusammenbasteln. „Wenn das jetzt auch das nächste Mal klappt, ohne das nervige Hinterhertelefonieren, bin ich zufrieden.“ Sein 82-jähriger Nachbar sei nun glücklich und habe ihm zum Dank ein Bier ausgegeben, sagt der „Müll-Robin-Hood“, der nun gegenüber dem Zweckverband versöhnlich gestimmt ist: „Das Kriegsbeil ist nun erstmal begraben.“
Der ART Doch warum hat das so lange gedauert? Wieso reagierte der Zweckverband so träge und wurde erst aufgrund der Beschwerde aktiv? Oder sind die ganzen Anschuldigungen gegen den Abfallentsorger ART gar völlig aus der Luft gegriffen? Der TV hat den Zweckverband um Stellungnahme gebeten. ART-Pressesprecher Bastian Lütge-Traut gibt eine überraschende Antwort: Lütge-Traut sagt, beim ersten Abholtermin habe das beauftragte Abfuhrunternehmen in der Hofgasse in Karl gar keinen Sperrmüllhaufen vorgefunden. Am Ersatztermin sei der besagte Sperrmüllhaufen aber nun gesichtet, entsorgt und damit endgültig aus der Welt geschafft worden.
July 23, 2020 at 07:59PM
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